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NamePROKR2-Gen
Synonymehopogonadotroper Hypogonadismus mit oder ohne Anosmie, #244200, HH4
GruppeMolekulargenetik
MaterialEDTA-Blut
Messgenauigkeit Sensitivität zum Nachweis pathogener Varianten >98%
Präanalytik Aufklärung nach Gendiagnostikgesetz
Transport Raumtemperatur
Indikation Die GnRH Defizienz (IGD) wird typischerweise bei Jugendlichen mit fehlender oder teilweiser Pubertät unter Verwendung biochemischer Tests diagnostiziert, die ein niedriges Serumtestosteron oder Östradiol (Hypogonadismus) anzeigen. Bei normaler Hypophysenvorderlappenanatomie und -funktion und in Abwesenheit von sekundären Ursachen von hypogonadotropem Hypogonadismus (HH), kann auf eine komplette oder partielle Abwesenheit der GnRH-vermittelten Freisetzung von LH und FSH geschlossen werden (IGD). Kommt eine Störung des Geruchssinns hinzu, ist die Verdachtsdiagnose Kallmann-Syndrom zu stellen. Mindestens 83 Mutationen sind im PROKR2 Gen beschrieben, von denen aber nur ca. 50 lösen das Vollbild des Kallmann-Syndroms auslösen. In einzelnen Fällen liegt jedoch nur die IGD vor. Es ist für bis zu 7% der Fälle von Kallmann-Syndrom verantwortlich. Pathogene Varianten in mehr als 25 Genen machen etwa die Hälfte aller IGD aus. Die genetische Ursache für die verbleibenden Fälle von IGD ist unbekannt.
Abrechnung
GOÄ
Position
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(1.0-fach)
   Anzahl   Faktor   Preis €
392052.4611.1560.33
392229.1521.1567.04
392229.1521.1567.04
392417.4921.1540.22
3926116.5721.15268.12
  Die Analyse ist nicht im Akkreditierungsumfang enthalten.
Beschreibung Funktion: Das PROKR2-Gen (OMIM *607123) kodiert Protein Prokineticin-Rezeptor 2. Es handelt sich um einen G-Protein gekoppelten Transmembran-Rezeptor, der über 7 transmembranäre alpha-Helix-Motive in der Zellmembranverankert ist. Diese Plasmamembranrezeptoren wirken als molekulare Schalter, um eine extrazelluläre Ligandenaktivierung an intrazelluläre hetero trimere G-Proteine zu übertragen. Die Signale in der Zelle werden durch Mobilisie-rung von Calcium, Stimulation des Umsatzes von Phosphoinositol und durch Aktivierung des MAP-Kinase Signalwegs übermittelt. Als Liganden fungieren die Neuropeptide Prokineticin 2 (PROK2 Gen) und Prokineticin 1 (PROK1 Gen). Der PROKR2-Rezeptor ist überwiegend im zentralen Nervensystem lokalisiert. Dort bildet er mit dem Liganden PROK2 zusammen ein chemotaktisches System, so dass die die olfaktorischen Vorläufer-Neuronen zum Bulbus Olfaktorium die GnRH-Neuronen in die Hypothalamus-Region dirigiert werden. Diese Vorgänge laufen in der Embryonalentwicklung ab. Das Bulbus Olfaktorium ist eines der wenigen Gewebe, in denen der Vorgang das ganze Leben hindurch benötigt wird. Weitere Funktionen, an denen das Prokineticin 2 – Rezeptor-System beteiligt ist, besteht in der Stimulation der glatten Muskulatur des Darms, der Bildung neuer (Angiogenese), der Koordination von zirkadian gesteuerten Rhythmen, wie dem Schlaf-Wach-Zyklus und den regelmäßigen Veränderungen der Körpertemperatur.
Krankheit: Mindestens 83 Mutationen im PROKR2-Gen sind in der medizinisch-wissenschaftlichen Literatur beschrie-ben, die das Kallmann-Syndrom verursachen. Diese Krankheit, ist durch die Kombination von hypogona-dotropem Hypogonadismus, und einem gestörten Geruchssinn gekennzeichnet. Die meisten der PROKR2-Genmutationen, die das Kallmann-Syndrom verursachen, sind Missense- oder Nonsense-Mutationen, die den Austausch von Aminosäuren oder den vorzeitigen Abbruch der Proteinsynthese auslösen. Dieses führt zum Funktionsverlust des Rezeptors. Ein Verlust der Signalübertragung unterbricht die Migration und das Überleben von olfaktorischen Neuronen und GnRH-produzierenden Neuronen im sich entwickelnden Gehirn. Wenn Riechnervenzellen nicht bis zum Riechkolben reichen, wird der Geruchssinn beeinträchtigt oder fehlt. Fehlplatzierung oder vorzeitiger Verlust von GnRH-produzierenden Neuronen verhindert die Produktion von Sexualhormonen, die die normale sexuelle Entwicklung stören und eine Verzögerung oder Abwesenheit der Pubertät verursachen. Die Vererbung ist autosomal dominant. Da die Merkmale und der Schweregrad des Kallmann-Syndroms von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, glauben die Forscher, dass zusätzliche genetische und Umweltfaktoren beteiligt sein können. Einige betroffene Individuen haben zusätzlich zu PROKR2 Mutationen in einem von mehreren anderen Genen, und diese genetischen Veränderungen können zu den verschiedenen Merkmalen der Erkrankung beitragen.