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NamePROK2-Gen
Synonymehopogonadotroper Hypogonadismus mit oder ohne Anosmie, Kallmann-Syndrom #610628, HH4
GruppeMolekulargenetik
MaterialEDTA-Blut
Messgenauigkeit Sensitivität zum Nachweis pathogener Varianten >98%
Präanalytik Aufklärung nach Gendiagnostikgesetz
Transport Raumtemperatur
Indikation Die GnRH Defizienz (IGD) wird typischerweise bei Jugendlichen mit fehlender oder teilweiser Pubertät unter Verwendung biochemischer Tests diagnostiziert, die ein niedriges Serumtestosteron oder Östradiol (Hypogonadismus) anzeigen. Bei normaler Hypophysenvorderlappenanatomie und -funktion und in Abwesenheit von sekundären Ursachen von hypogonadotropem Hypogonadismus (HH), kann auf eine komplette oder partielle Abwesenheit der GnRH-vermittelten Freisetzung von LH und FSH geschlossen werden (IGD). Kommt eine Störung des Geruchssinns hinzu, ist die Verdachtsdiagnose Kallmann-Syndrom zu stellen. Mindestens 21 Mutationen sind im PROK2 Gen beschrieben. Sie lösen meist das Vollbild des Kallmann-Syndrom aus, in einzelnen Fällen kann jedoch auch nur die IGD vorliegen. Es ist für bis zu 2% der Fälle von Kallmann-Syndrom verantwortlich. Pathogene Varianten in mehr als 25 Genen machen etwa die Hälfte aller IGD aus. Die genetische Ursache für die verbleibenden Fälle von IGD ist unbekannt.
Abrechnung
GOÄ
Position
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(1.0-fach)
   Anzahl   Faktor   Preis €
392052.4611.1560.33
392229.1541.15134.08
3926116.5741.15536.24
  Die Analyse ist nicht im Akkreditierungsumfang enthalten.
Beschreibung Funktion: Das PROK2-Gen (OMIM *607002) kodiert das Neuropeptid Prokineticin 2, das u.a. in der zirkadianen Uhr des suprachiasmatischen Nukleus (SCN), im Hoden und im Dünndarm exprimiert wird. Es fungiert als Ausgangskomponente der zirkadianen Uhr und synchronisiert mehrere circadiane Prozesse im Gehirn. Während der embryonalen Entwicklung haben Prokineticin 2 und sein Rezeptor chemotaktische Effekte für neuronale Vorläuferzellen und spielen damit eine Rolle bei der Entwicklung einer Gruppe von Nervenzellen, die auf die Verarbeitung von Gerüchen (olfaktorische Neuronen) spezialisiert sind. Diese Neuronen wandern von der sich entwickelnden Nase zu einer Struktur in der Vorderseite des Gehirns, die Riechkolben (Bulbus Olfaktorum) genannt wird. Prokineticin 2 und sein Rezeptor sind auch an der Migration von Nervenzellen beteiligt, die Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) produzieren. GnRH steuert die Produktion mehrerer hypophysärer Hormone, die die sexuelle Entwicklung vor der Geburt und während der Pubertät steuern. Diese Hormone sind auch wichtig für die normale Funktion der Eierstöcke bei Frauen und der Hoden bei Männern. PROK2 übermittelt Signale durch Interaktion mit den zwei G-Protein gekoppelten Membran-Rezeptoren Prokineticin-Rezeptor 1 (PROKR1) und Prokineticin-Rezeptor 2 (PROKR2) mit nahezu gleicher Affinität. Intrazellulär wird der MAP-Kinase-Signalweg aktiviert, wodurch die Expression spezifischer Gene gesteuert wird. Das vom PROK2 Gen kodierte Protein besteht aus 129 Aminosäuren. Von dieser Vorform wird ein Signalpeptid bestehend aus 28 Aminosäuren abgespalten, um das reifes PROK2 Peptid aus 81 Aminosäuren zu erhalten. Dieses Peptid enthält 10 Cystein-Reste, die durch mehrere Disulfidbindungen die 3-dimensionale Struktur des bestimmen.
Krankheit: Mindestens 16 Mutationen im PROK2-Gen wurden bisher bei Menschen mit dem Kallmann-Syndrom identifiziert, einer Krankheit, die durch die Kombination von hypogonadotropem Hypogonadismus und einem gestörten Geruchssinn gekennzeichnet ist. Der hypogonadotropem Hypogonadismus ist auf Gonadotropin Releasing Hormon (GnRH) Defizienz zurückzuführen. Es handelt sich in den meisten Fällen um Missense- oder Nonsense Mutionen, also Punktmutationen, die zu einem Aminosäureausstausch oder einem vorzeitigen Abbruch der Proteinsynthese führen. Die Verebung ist autosomal dominant. Hierbei wird stets das Vollbild des Kallman-Syndroms beschrieben. Eine Ausnahme bildet eine komplexe Mutation, die in einer Duplikation des kompletten Exons 3 besteht. Diese Mutation ist mit einer einen GnRH-Manel und Normosmie assoziiert. Das fehlende PROK2-Signal verhindert die Migration und das Überleben von olfaktorischen Neuronen und GnRH-produzierenden Neuronen im sich entwickelnden Gehirn. Die Daten in der wissenschaftlichen Literatur weisen darauf hin, dass Mutationen im PROK2- Gen und im Gen des dazugehörigen Rezeptors (PROKR2 Gen) zusammen etwa 9 Prozent aller Fälle von Kallmann-Syndrom ausmachen.