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NameYersinien-Kultur
SynonymeYersinia enterocolitica, Y. pseudotuberculosis
GruppeKultur
MaterialMikrobiologie
Stuhl nativ in Stuhlprobenröhrchen
MethodeKultur
Präanalytik Probengewinnung:
Stuhl optimalerweise in ein sauberes Gefäß (z.B. desinfizierte Bettpfanne) oder bei festerem Stuhlgang ggf. in eine frisch gespülte Toilettenschüssel entleeren. Kontaminationen durch veunreinigtes Toilettenwasser und Urin sind stets zu vermeiden. Anschließend den Stuhl in Stuhlprobenröhrchen füllen und diese dicht verschließen. Das Röhrchen sollte zur Hälfte befüllt sein! Auffällige Stuhlbestandteile (z.B. Schleim, Blut) sollten immer in das Probenröhrchen überführt werden.

Anamnese:
Unbedingt anzugeben sind kürzlich erfolgte Auslandsaufenthalte, vorliegende Immunsuppression, Antibiotikatherapie der letzten 16 Wochen
Transport - Stets schnellstmöglich
- Nach Gewinnung innerh. von 4 h bei Raumtemperatur (15-25 °C) durch Fahrdienst
- Bei langem Transportweg gekühlt bei 2-8 °C (max. Transportzeit 24 h)
Frequenz täglich
Indikation Gastroenteritis, Diarrhö, Pseudoappendizitis
Abrechnung Ausnahmekennziffer 32006 auf dem Überweisungsschein vermerken (Meldepflicht §7 IfSG)
GOÄ
Position
   Anzahl   Faktor   Preis €
453811.158.04
Beschreibung Erreger und Erkrankung:

Die Übertragung der Yersiniose erfolgt überwiegend über kontaminierte Lebensmittel, seltener auch durch Kontakt mit Tieren. Nach einer Inkubationszeit von etwa 5 (1-116) Tagen kommt es zu einer fieberhaften Diarrhö mit Erbrechen, die gelegentlich begleitet von charakteristischen Schmerzen des rechten Unterbauches mit einer Appendizitis verwechselt werden kann (Pseudoappendizitis). Auch eine begleitende Pharyngitis ist häufig. Langwierige Krankheitsverläufe mit persistierender Diarrhö oder Bauchschmerzen bis zu einem Jahr sind selten möglich.

Potentielle Komplikationen der Yersiniose umfassen u.a. intestinale Blutung, Ulzeration, Perforation, Invagination, Nekrose, Sepsis, Peritonitis, Cholangitis, extraintestinale Abzedierungen, Endokarditis, Meningitis, Osteomyelitis und septische Arthritis. Postinfektiös kann es zudem zu einer reaktiven Arthritis (oft HLA-B27-assoziiert), Erythema nodosum, seltener auch zu Nephritis, hämolytischer Anämie oder Uveitis kommen.

In den meisten Fällen ist eine antibiotische Therapie nicht indiziert. Bei schwerem Verlauf, protrahierter Symptomatik, Bakteriämie, Sepsis, Abzess oder Nachweis bei Risikogruppen erfolgt eine Therapie gemäß Antibiogramm und Leitlinie. Risikogruppen umfassen Neugeborene, Säuglinge <= 3 Monate, Pat. mit Immundefizienz, chronischer Lebererkrankung, hämatologischer Erkrankung mit erhöhtem Eisenspiegel.

Die reaktive Arthritis kann eine immunsuppressive Therapie erfordern, wohin gegen das Erythema nodosum in der Regel selbstlimitierend ist.

Diagnostik:

Die Yersinien-Kultur ist bei Anforderung auf "pathogene Keime" bzw. "Erreger + Resistenz" stets inkludiert.

Bei akuter Infektion erfolgt der direkte Nachweis mittels Kultur. Bei Nachweis des ipaH-Gens mittels PCR kann nicht zwischen enteroinvasiven E. coli (EIEC) oder Shigella spp. unterschieden werden.

Bei reaktiver Arthritis kann der serologische Nachweis IgA- und IgG-Antikörpern erfolgen.

Meldepflicht gemäß IfSG:

§ 6 (behandelnder Arzt): akute Gastroenteritis bei Umgang mit Lebensmitteln, in Gemeinschaftsverpflegung oder >/= 2 Fälle mit V.a. epidemischen Zusammenhang
§ 7 (Labormeldung): (in)direkter Nachweis mit Hinweis auf akute Infektion
Quellen 1. Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik, Gastrointestinale Infektionen, MiQ 9, 2013
2. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der DGVS, V 2.1, 2023
3. S2k Leitlinie akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- & Jugendalter - Update 2024, GPGE
4. Yersiniose, RKI-Ratgeber, Stand: 26.11.2019
5. Yersiniosis: Infection due to Yersinia enterocolitica and Yersinia pseudotuberculosis, Uptodate, Stand 18.02.2026