| Name | Mykobakterien (Kultur)
| Synonyme | Mykobakterien
| Mycobacterium tuberculosis Ziehl-Neelsen Färbung Tuberkulose TBC Gruppe | Tuberkulose - Diagnostik
| Material | Mikrobiologie | Sputum Tracheal-/Bronchialsekret Bronchoalveoläre Lavage Biopsie Stuhl Gewebe Punktate Magensaft Menstrualblut Ejakulat, Sperma, Prostatasekret Urin Liquor Abstriche/ Gewebe Knochenmark Präanalytik |
Da Mykobakterien meist nur in geringer Menge im klinischen Untersuchungsmaterial vorhanden
| sind, muss zum Nachweis von Mykobakterien das Probenvolumen besonders groß sein bzw. müssen bei unbekanntem Infektionsstatus manche Materialien wenigstens dreimal wiederholt untersucht werden. Kontrollen bei positivem Befund sollen etwa monatlich erfolgen. Sputum (2-5 ml): Entnahme von Morgensputum beim nüchternen Patienten. Keine Spülung der Mundhöhle mit Wasser und kein Zähneputzen vor der Sputumgewinnung). Kein Sammelsputum (wenn trotzdem notwendig, max. Zeitraum für Sputumgewinnung 1 h). Keinen Speichel (viele Plattenepithelien, wenig Leukozyten) sondern ausschließlich aus den tiefen Atemwegen abgehustetes Sekret gewinnen. Die Expektoration kann durch die Inhalation 3-6% NaCl-Lösung gefördert werden. Cave!: Infektionsgefahr durch Aerosole. Gesamtmenge des morgendlichen Auswurfs in einem fest verschlossenen sterilen Gefäß je 1 mal an drei aufeinander folgenden Tagen einsenden. Tracheal-/Bronchialsekret (2-5 ml): Trachealsekret durch den Tubus absaugen und in einem sterilen Röhrchen auffangen. Gesamtmenge in einem fest verschlossenen sterilen Gefäß je 1 mal an drei aufeinanderfolgenden Tagen einsenden. Trachealsekret von intubierten oder tracheotomierten Patientinnen und Patienten wegen der Kolonisation mit Begleitkeimen weniger sinnvoll. Bronchialsekret im Rahmen einer Bronchoskopie gewinnen, in ein steriles Röhrchen transferieren und in einem fest verschlossenen sterilen Gefäß einsenden. Cave: Lokalanästhetika bei der Bronchoskopie können das Untersuchungsergebnis wegen möglicher bakteriziden Wirkung verfälschen. Bronchoalveoläre Lavage (20-30 ml): Im Rahmen einer Bronchoskopie mit 0,9% NaCl-Lsg. spülen und Spülflüssigkeit in ein steriles Röhrchen absaugen und in einem fest verschlossenen sterilen Gefäß einsenden. Möglichst gezielt betroffenes Segment mit wenig Flüssigkeit anspülen, um einen Verdünnungseffekt zu vermeiden. Recovery-Flüssigkeit ohne weitere Behandlung gesondert für die Tuberkulose-Diagnostik auffangen. Geschützte Bürste und bronchoskopisch gewonnene Biopsie: Wegen Gefahr der Austrocknung ca. 0,5 ml sterile physiologische NaCl-Lösung zufügen. Cave: Lokalanästhetika bei Bronchoskopie; wegen der möglichen bakteriziden Wirksamkeit kann das Untersuchungsergebnis verfälscht sein. Bei Biopsie kein Formalin!. Magennüchternsekret (2-5 ml)/Magenspülwasser (20 - 30 ml): Morgens beim nüchternen Patienten gewonnen Magensaft in einem Magensaftröhrchen einsenden. Die Magensaftröhrchen enthalten einen neutralisierenden Phosphatpuffer, der ein Absterben der Mykobakterien im sauren Magensaft verhindern soll. Magensaftröhrchen können separat angefordert werden. Magennüchternsekret in fest verschlossenen Röhrchen je1 mal an drei aufeinanderfolgenden Tagen einsenden. Bei jüngeren Kindern ist Magennüchternsekret oder -spülwasser der Sputuminduktion vorzuziehen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen sollte bevorzugt Sputum gewonnen werden. Knochenmark (5-10 ml): Knochenmark in Citrat- oder Heparin-Röhrchen oder in einer für die Mykobakteriendiagnostik geeigneten Blutkulturflasche (Bactec MYCO/FLYTIC) einsenden. Peripheres Blut (5-10 ml): Untersuchung nur sinnvoll bei Patientinnen oder Patienten mit zellulärem Immundefekt. Blut in Citrat- oder Heparin-Röhrchen oder in einer für die Mykobakteriendiagnostik geeigneten Blutkulturflasche (Bactec MYCO/FLYTIC) einsenden. Herkömmliche Blutkulturflaschen sind für die Mykobakteriendiagnostik nicht geeignet! Menstrualblut, Kürettagematerial, Lochien, Plazenta: Möglichst die Gesamtmenge Menstrualblut, Kürettagematerial Lochien zu gleichen Teilen mit 0,9 % NaCl-Lösung versetzen.Biopsien ohne Medium,in einem fest verschlossenen sterilen Probengefäß einsenden. Menstrualblut kann durch „Auswaschen“ mehrerer blutgetränkter Tupfer oder Tampons in steriler 0,9 % NaCl-Lsg. gewonnen werden. Das Eluat in sterilen Probengefäß je 1 mal an drei aufeinander folgenden Tagen einsenden. Ejakulat, Sperma, Prostatasekret: Gesamtes Material in einem fest verschlossenen sterilen Probengefäß je1 mal an drei aufeinanderfolgenden Tagen einsenden. Abstriche/ Gewebe: • Abstriche und Gewebeproben müssen vor Austrocknung geschützt und in sterilen Gefäßen versandt werden. Abstriche mittels Abstrichtupfer und Gewebeproben unter Zusatz von 0,5 ml steriler physiologischer Kochsalzlösung. • Tupfer sind für die Mykobakterien Diagnostik eher ungeeignet, da die Keimzahl zu gering ist. Verarbeitung nur nach Rückfrage mit dem Einsender, wenn kein geeigneteres Material (Wundsekret, Biopsien, Punktate) zu gewinnen ist. Abstriche in Transportmedium sind zur Tuberkulosediagnostik nicht geeignet. Liquor (3-5 ml jeweils für Kultur und PCR!), Eiter, Abszeßpunktate (30-50 ml): Materialien in sterilen fest verschlossenen Gefäßen ohne Transportmedium oder sonstige Zusätze einsenden. Blutige Proben: evtl. Zusatz von Citrat erforderlich, so viel wie möglich entnehmen! Meningitis tuberculosa ist ein Notfall – die mikroskopische Untersuchung wird JEDERZEIT durchgeführt. Pleurapunktat, Aszitis (mind. 30 - 50 ml) Ergüsse und sonstige Sekrete (mind. 30 ml): In sterilen fest verschlossenen Probengefäßen ohne Transportmedium einsenden. Urin (mind. 30-50 ml): Gesamtmenge des konzentrierten („hochgestellten“) Morgenurins (Flüssigkeitsrestriktion am Vorabend) an drei aufeinanderfolgenden Tagen in sterilem Gefäß auffangen und einsenden. Gesamtmenge einsenden! 24h-Sammelurin ist wegen stärkerer Verunreinigung durch Begleitkeime zu vermeiden! Urin wird NICHT mikroskopiert. Kein Mittelstrahlurin, kein Sammelurin, nicht aus Urinauffangbeuteln (Ausnahme Säuglinge, Kleinkinder). Entnahme unter Vermeidung mikrobieller Verunreinigung. Stuhl (1-2 g): Eine Stuhluntersuchung auf Mykobakterien (insbes. bei V. a. MAI) ist in erster Linie bei HIV- Patienten sinnvoll. Stuhl wird NICHT mikroskopiert. Stuhlproben werden mit steriler Natriumchloridlösung Verhältnis 1:5 (V/V) aufgeschwemmt und der Vorbehandlung nach 9.1 unterworfen. Körperflüssigkeiten (Punktionen, Aspirate, Exsudate) (30–50 ml): Körperflüssigkeiten (Pleuraexsudat, Perikardflüssigkeit, Synovialflüssigkeit, Abszesspunktat) nativ ohne Transportmedium oder sonstige Zusätze einsenden. Blutige Proben: evtl. Zusatz von Citrat erforderlich, so viel wie möglich entnehmen! Transport |
Material wird als höchst infektiös angesehen, daher muss während des Transportes das
| Probengefäß mit einem übergreifenden Schraubverschluss verschlossen sein. Das Probengefäß muss eindeutig beschriftet sein, dass Herkunft (Einsender) und Identität (Name und Geburtsdatum des Patienten) der Probe jederzeit erkennbar sind. Die Transportdauer, d. h. die Zeit von der Gewinnung der Probe bis zum Eingang im Labor, sollte so kurz wie möglich sein, jedenfalls unter 24 h. Frequenz |
täglich
| Indikation |
V.a. Tuberkulose
| Abrechnung |
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Beschreibung |
Mycobacterium tuberculosis, Erreger der Tuberculose, ist weltweit eine führende Todesursache Problematisch für das Gesundheitswesen ist der Anstieg der Stämme, die gegen ein oder mehrere Tuberkulostatika resistent sind. Nicht-Tuberkulöse Mykobakterien (MOTT) können ebenfalls schwere Erkrankungen hervorrufen, insbesondere bei Immunsuppression.
| Das einzige relevante Reservoir für den Erreger der Lungen-Tuberkulose, das Mycobacterium (M.) tuberculosis, ist der Mensch. Deshalb wird M. tuberculosis nahezu ausschließlich durch erregerhaltige Aerosole von Mensch zu Mensch übertragen. In der Praxis entstehen diese Aerosole, wenn Patienten, die an einer ansteckungsfähigen Tuberkulose der Atmungsorgane (der Lunge, der Bronchien oder des Kehlkopfes) erkrankt sind, husten, niesen oder sprechen. Hierdurch werden Tröpfchen freigesetzt, die in der exspirierten Luft ein entsprechendes Aerosol erzeugen. M. tuberculosis ist lichtmikroskopisch 0,2 bis 0,5 μm breit und 2 bis 4 μm lang, die Größe des Aerosols variiert jedoch, da sie von verschiedenen aerodynamischen Faktoren beeinflusst wird. Die Infektiosität dieses Aerosols hängt von der Partikeldichte und der Inhalationszeit ab. Die Tuberkulose (Tbc) des Menschen wird am häufigsten durch Mycobacterium tuberculosis verursacht. Selten werden Mycobacterium bovis (Reservoir in Rindern, Darmtuberkulose) und Mycobacterium africanum als Erreger isoliert. Bei Immunsupprimierten kann der Tuberkulose- Impfstamm Mycobacterium bovis BCG eine Impf-Tuberkulose hervorrufen. Sehr selten wird Mycobacterium microti (Reservoir in Nagern) als Erreger einer Tuberkulose bei immmunsupprimierten Patienten isoliert. Aufgrund ihrer engen genotypischen und phänotypischen Verwandtschaft werden Mycobacterium tuberculosis, Mycobacterium bovis, Mycobacterium africanum und Mycobacterium microti zum Mycobacterium tuberculosis-Komplex zusammengefasst. Im Rahmen der Untersuchung auf Mykobakterien werden häufig nichttuberkulöse (atypische) Mykobakterien isoliert. Besondere klinische Relevanz hat der Nachweis der ubiquitär vorkommenden atypische Mycobakterien bei immunsupprimierten Patienten, bei denen diese Erregergruppe eine Vielzahl klinischer Erkrankungsbilder hervorrufen kann. Auswahl: • Lymphadenitis: M. avium-intrazellulare, M. malmoense, M. interjectum, M. scrofulaceum • Pulmonale Infektionen: M. avium-intrazellulare, M. malmoense, M. kansasii, M. xenopi, M. chelonae, M. abszessus • Haut- und Weichteilinfektionen: M. ulcerans, M. marinum Quellen |
1. MIQ 5.Tuberkulose - Mykobakteriose. 2010 Elsevier, München
| 2. Darai G et al. Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. 4. A., 2012 Springer, Berlin, 905ff 3. Schaaf HS, Tuberculosis. Saunders Elsevier. 2009 4. S2k-Leitlinie Tuberkulose im Erwachsenenalter, AWMF |
Labor Dr. Heidrich & Kollegen Medizinisches Versorgungszentrum GmbH
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