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NameHantavirus-Antikörper (Blot)
SynonymeNephropathia epidemica, Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), Hantavirus-induziertes (kardio-) pulmonales-Syndrom (H(C)PS)
GruppeHantavirus
MaterialSerum
MethodeImmunoblot
Messgenauigkeit Potentielle Kreuzreaktionen: andere Bunyaviren
Potentielle unspezifische IgM-Reaktionen: Malaria, EBV
Präanalytik Bitte informieren Sie uns auf dem Auftragsschein über die aktuelle Reiseanamnese!

- Lagerung: max. 7 Tage bei 2-8°C
- Bitte immer Reiseanamnese angeben!

Folgende Störfaktoren können zu falschen Ergebnissen führen: mit Hitze vorbehandelte Proben, hämolytische, ikterische oder lipämische Proben
Transport Raumtemperatur
Indikation V.a. Hantavirus-Infektion (siehe unten)
  Die Analyse ist nicht im Akkreditierungsumfang enthalten.
Beschreibung Erreger und Erkrankung:

Hantaviren sind behüllte RNA-Viren mit weltweiter Verbreitung, wobei ihre geografische Verteilung eng an die Lebensräume ihrer jeweiligen Reservoirwirte, meist Nagetiere, gebunden ist. Diese übertragen die Viren über Speichel, Kot und Urin (auch getrocknet tagelang infektiös). Die Ansteckung erfolgt primär durch Einatmen von aufgewirbeltem Staub (Aerosole) und Kontakt von kontaminiertem Material mit verletzter Haut, seltener auch durch Bisse oder über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel.

Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch. 5-60 Tage nach Exposition kann es zu einem akutem Krankheitsbeginn mit Fieber > 38,5 °C und allgemeinem Krankheitsgefühl, u.a. in Kombination mit verschiedenen Befundkonstellationen wie z.B. Cephalgie, Rückenschmerzen, Myalgie, abdominelle Schmerzen, Myopie, Nausea, Emesis, Dyspnoe, Lungenifiltrate, Husten, Thrombopenie und Nierenfunktiosstörung (Proteinurie, Hämaturie, Kreatininanstieg, Oligurie, im späteren Verlauf Polyurie) kommen.

Mögliche schwere Verlaufsformen der Infektion mit entsprechend schweren Komplikationen umfassen hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) oder auch Hantavirus-induziertes (kardio-) pulmonales-Syndrom (H(C)PS). In Deutschland kommen vorwiegend Viren vor, die eine Nephropathia epidemica auslösen, eine leichte Verlaufsform des HFRS mit deutlich geringerer Letalität von < 0,9 %.

Es steht keine Impfung zur Verfügung, die Prävention besteht daher in der Vermeidung der Exposition gegenüber Nagern und ihren Ausscheidungen.

Diagnostik:

Die Serologie beinhaltet den Nachweis von IgM und IgG. Die Diagnose erfolgt nach Beginn der Symptomatik durch den Nachweis von IgM und IgG oder den signifikanten Anstieg von IgG zwischen 2 Proben. Bei Nachweis von Antikörpern erfolgt daher stets auch die weitere Untersuchung mittels IIFT zur Ermittlung eines Titers zur Erfassung potentieller Titeranstiege im Verlauf in einem Auftragslabor. Sofern nur IgG detektiert wurde, ist eine Wiederholung nach 2 Wochen sinnvoll. Zudem sollte v.a. in der frühen Infektionsphase stets auch eine PCR aus Serum oder EDTA-Blut (je nach Klinik auch aus Liquor) erfolgen.

Um den Verlauf einer Hantavirus-Infektion richtig einzuschätzen und andere Ursachen für die Symptomatik abzuklären, sind stets auch die Untersuchung von Differentialblutbild, BSG, CRP, Leber- und Nierenfunktionswerten und der Elektrolyte erforderlich. Bei entsprechender Symptomatik nach Auslandsaufenthalt sollte stets auch Differentialdiagnostik unter Berücksichtigung der Symptomatik und Anamnese (z.B. Reise, Impfungen, Risiken, Inkubationszeit, etc.) erfolgen (z.B. Malaria, Sepsis, Masern, STDs, Arbovirosen, etc.).

Meldepflicht gemäß IfSG:

§ 7 (Labormeldung): (in)direkter Nachweis mit Hinweis auf akute Infektion
§ 6 (behandelnder Arzt): virusbedingtes hämorrhagisches Fieber

Bitte auf dem Überweisungsschein die Ausnahmekennziffer 32006 vermerken!
Quellen 1. MiQ 35b, Infektionsimmunologische Methoden, 2016, Elsevier
2. RKI-Ratgeber, Hantavirus-Erkrankung, Stand: 13.11.2020
3. Falldefinitionen des RKI 2026: Hantavirus-Erkrankung
4. Mikrogen, recomLine Hantavirus IgM & IgG, Gebrauchsanweisung, GARLHA002D_2023-03