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NameHSD11B2-Gen
Synonyme11-beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel Typ 2
Ulick-Syndrom, Apparenter Mineralocorticoid Exzess, AME; OMIM 614232 / 218030
GruppeMolekulargenetik
MaterialEDTA-Blut
MethodeDNA-Sequenzierung
Abrechnung
GOÄ
Position
   Preis €
(1.0-fach)
   Anzahl   Faktor   Preis €
392052.4611.1560.33
392229.1561.15201.12
3926116.5761.15804.36
Beschreibung Der Apparente Mineralokortikoid-Exzess (AME) ist eine seltene Form von Pseudo-Hyperaldosteronismus. Symptome sind: Früh beginnende schwere arterielle Hypertonie, niedrige Renin-Spiegel und Hypoaldosteronismus.

Die Prävalenz ist schwer zu bestimmen und ist wahrscheinlich in verschiedenen Populationen in Abhängigkeit von der jeweiligen Konsanguinitätsrate unterschiedlich. Bisher wurden weniger als 100 Fälle beschrieben. Der AME wird meist innerhalb der ersten Lebensjahre diagnostiziert. Charakteristisch sind Polyurie, Polydipsie, Gedeihstörung, schwerer Bluthochdruck mit niedrigen Renin- und Aldosteronspiegeln, ausgeprägte Hypokaliämie mit metabolischer Alkalose und sehr häufig Nephrokalzinose. Unbehandelte Kindern hatten schon vor dem 10. Lebensjahr Schlaganfälle.

AME wird autosomal-rezessiv vererbt. Ursache sind homozygote oder compound-heterozygote Loss-of-function-Mutationen oder Deletionen im HSD11B2-Gen (16q22). In allen Fällen führen diese Mutationen zu Verlust oder starker Verminderung der Aktivität der Isoform 2 der 11-Beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase (11-Beta-HSD2). Dieses Enzym wandelt Cortisol in Cortison um. Die Verdachtsdiagnose folgt aus den klinischen und biochemischen Befunden. Der Befund einer 10- bis 100-fachen Erhöhung des Cortisol/Cortison-Verhältnisses (F/E) oder von tetrahydroxylierten Metaboliten (THF+allo-THF/THE) im Plasma und Urin ist ein starker diagnostischer Hinweis. Es wurde aber auch eine mildere Verlaufsform, AME2 (ebenfalls durch Mutationen im HSD11B2-Gen verursacht), mit weniger stark ausgeprägtem Bluthochdruck und nur leicht verändertem Cortisol-Stoffwechsel beschrieben.

Die Diagnose kann durch genetische Testung bestätigt werden. Differentialdiagnosen sind das Liddle-Syndrom (s. dort) als andere Ursache von Pseudo-Hyperaldosteronismus sowie andere Krankheiten mit früh, im Kindesalter beginnendem Bluthochdruck, besonders der renale Hochdruck. Konsum von nativem Süßholz kann zu einem klinischen Bild wie AME führen. Dieses Phänomen wird bei Kindern aber nur selten beobachtet, da ein dauernder oder chronischer Genuss oder eine akute, starke Exposition erforderlich sind, um diese ungünstige Wirkung zu erzeugen. In Familien mit bekannter ursächlicher Mutation kann eine vorgeburtliche Diagnostik erwogen werden, wenn das vorangegangene Kind lebensbedrohlich erkrankt ist. Frühe Diagnose und Behandlung sind wichtig, damit bleibende Schäden (ZNS, Niere, Herz, Retina) vermieden werden. Für AME existieren zwei Behandlungsstrategien: (i) Blockade des Mineralokortikoid-Rezeptors durch Spironolacton (2-10 mg/kg/Tag) kombiniert mit Thiaziden, um zur Senkung des Blutdrucks beizutragen und um Hyperkalziurie und Nephrokalzinose zu verringen; (ii) Gabe exogener Kortikoide, um ACTH zu blockieren und die endogene Sekretion von Cortisol zu unterdrücken. Diese Strategie hat eine nachgewiesene Wirkung auf den Blutdruck und die Spiegel von Renin und Aldosteron, aber nur wenig beeinflusst werden die Urinkonzentrationen von Cortisol, Cortison und Corticosteron. Wegen der schweren Hypertonie sind oft auch nichtspezifische Antihypertonika (z.B. Kalziumantagonisten) erforderlich. Unbehandelt hat AME eine schwere Prognose mit maligner Hypertonie, Schlaganfall und kardialer und renaler Insuffizienz. Dagegen scheinen gut behandelte Patienten eine gute Prognose zu haben.
Quellen https://www.orpha.net/de/disease/detail/320?name=HSD11B2&mode=gene