Analysenverzeichnis

Liste der Analysen ←



NameCYP11B1-Gen
GruppeMolekulargenetik
MaterialEDTA-Blut
Abrechnung
GOÄ
Position
   Preis €
(1.0-fach)
   Anzahl   Faktor   Preis €
392052.4611.1560.33
392229.1571.15234.64
3926116.5771.15938.42
Beschreibung Unter dem Begriff congentitales adrenogenitales Syndrom (AGS) werden mehrere Stoffwechselerkrankungen zusammengefasst, die zu einem Cortisolmangel und zu inadäquater Synthese adrenaler Steroidhormone führen. Es handelt sich um autosomal-rezessiv vererbte Defekte der Cortisolsynthese, die in allen an der Synthese der Steroidhormone beteiligten Enzymen vorkommen können. Der nicht behandelte Cortisolmangel führt zu einer permanenten stimulation der Hormonproduktion in der Nebennierenrinde und damit zur Aussbildung einer Hyperplasie. Je nachdem, auf welcher Stufe der Hormonsynthese der enzymatisches defekt vorliegt, akkumulieren die Zwischenprodukte und es kommt zu inadäquaten Konzentrationen von Mineralocorticoiden und androgenen Steroiden. Hormonexzess- oder Mangelsyndrome können je nach Enzymdefekt auftreten.

Ein AGS mit Androgenüberproduktion entwickelt sich neben dem 21-Hydroxylase-Mangel (CYP21A2) auch beim 11ß-Hydroxylase-mangel (CYP11B1. Die CYP11B1 katalysiert die Umwandelung von 11-Desoxycortisol in Cortisol, aber auch die Umwandlung von Desoxycorticosteron in Corticosteron. Defekte im CYP11b1 resultieren in einer erhöhten Desoxycortisol-Produktion, die den Ladosteron-Mangel kompensiert (kein Salzverlust) und zu einem arteriellen Hypertonus mit möglichen Folgesymptomen wie Linksherzhypertrophie und Retinopathie führen kann.

Das Gen für CYP11B1 hat eine Größe von ca. 7kB und besteht aus neun Exons. Es besitzt in den kodierenden Beriechen ca. 93% Homologie zum Gen der Aldosteronsynthetase (CYP11B2). Mutationen im CYP11B1-Gen führen zu einem vollständigen Aktivitätsverlust oder zumindest zu einer aktivitätserniedrigung des Enzyms und somit zu einer Störung der Adrenalen Steroidbiosynthese.

Etwa 5% der klassischen Formen des AGS werden durch einen CYP11B1-Mangel hervorgerufen. Diese Form der adrenalen Hyperplasie zeichnet sich durch einen Androgen-und Mineralocorticoid-Exzess aus. Bei Neugeborenen besteht das Risiko einer Hyperkaliämie, einer Hyponatriämie und einen erheblichen Wachstumretardierung. Mädchen werden mit einen Intersexuellen äußeren Genitale geboren. Bei betroffenen Jungen entwickelt sich eine Pseudopubertas praecox. Das vermehrt gebildete Desoxycorticosteron hat mineralocorticoide Wirkung und kompensiert den Aldosteron Mangel. Es kommt meist in den ersten Lebensjahren zu einer arteriellen Hypertonie in deren Folge sich später eine Linksherzhypertrophie und/oder Retinopathie entwickeln kann. Da die Virilisierungssymtomatik sich von der des CYP21-Mangels kaum unterscheidet, die Hypertonie aber behandlungsbedürftig ist, ist eine differetialdiagnostische Klärung sehr wichtig. Neben der schweren klassischen Form des CYP11B1-Mangels werden ähnlich dem CYP21-Mangel auch nicht klassische Formen postuliert. Eine komplette Sequenzanalyse des CYP11B1 Gens ist indiziert, wenn nach biochemischen und/oder genetischem Ausschluss eines Steroid-21-Hydroxylase-Mangels (CYP21A2) weiterhin die Verdachtsdiagnose eines Adrenalen Enzymdefekt besteht oder die biochemische Parameter den Verdacht auf einen CYP11B1-Mangel unterstützen.

Als pathologische Sequenzabweichungen werden missense und nonsense Mutationen, Splice Mutationen, kleine Deletionen und Insertionen sowie Mutationen in den Regulatorischen Bereichen gefunden. Große Deletionen sind eher selten. Wegen der Sequenzhomologie zum CYP11B2-Gen (>93%) kann es zu Rekombinationen kommen, die klinisch einen Hypoaldosteronismus auslösen.

Zur molekulargenetischen Diagnostik werden die 9 kodierenden Exons inklusive flankierender Intronbereiche sequenziert. Eine MLPA-Analyse ist nach derzeitigen Stand nicht indiziert, da größere Deletionen sehr selten sind.